|
Weitere Gedanken zum Thema Glück
|
|
Ludwig Marcuse hat einmal gesagt, es gäbe so viele Ansichten über das Glück wie
Philosophen. Mit dieser Feststellung hat er sicherlich Recht. Die kleine Auswahl von
Glücksbeschreibungen auf der Einstiegsseite lässt schon sehr unterschiedliche
Auffassungen erkennen. Die Autoren verkörpern zwar nicht alle Philosophen im
herkömmlichen Sinne, aber sie haben über das Glück philosophiert. Einige ihrer Aussagen vermögen nicht so recht zu überzeugen. Kann sich z.B. jemand mit einem schlechten Gedächtnis wirklich glücklich fühlen? Kann das Glück dumm sein? Ist jemand, der dumm ist und Arbeit hat, zwangsläufig glücklich? Und die Behauptung Aristoteles', dass das Glück aus Selbstgenügsamkeit erwachse, kann m.E. nicht zutreffen, denn dann gäbe es ja in gewisser Weise ein andauerndes Glück; das aber hat SENECA klar verneint mit seiner Aussage: So hat das Schicksal es gewollt, das Glück darf keinen dauernden Bestand haben. Und andere Glücksucher beklagen ja gerade die Kurzlebigkeit des Glücks. Glücksdefinitionen der hier wiedergegeben Art gibt es natürlich noch sehr viel mehr. Sie spiegeln gelegentlich die persönliche Auffassung der Autorin/des Autors wider oder sind allgemein formuliert und können folglich für jedermann gelten. Glück ist nach herkömmlicher Meinung eine höhere Stufe von Zufriedenheit und Freude und wird in Form von subjektiven Eindrücken erlebt. Daraus folgt, dass das Glück auf höchst unterschiedliche Weise empfunden wird. Glück geht im allgemeinen mit subjektivem Wohlbefinden einher. Es ist seit langem bekannt, dass das Glück sich dort eher einstellt, wo Aktivität und ausfüllende Beschäftigung das Leben prägt. Aber auch Licht (insbes. Sonne) kann glücklich machen, indem es Glückshormone freisetzt. Neurologen, speziell Hirnforscher, haben festgestellt, dass bestimmte Hormone -wie die Endorphine- Glücksempfindungen auslösen können. Darüber hinaus sind Botenstoffe -wie Dopamin und Serotonin- in ähnlicher Weise bei der Enstehung von Glückszuständen beteiligt. Sie werden vom Gehirn bei mancherlei Aktivitäten (Sport, Körperberührung, Nahrungsauf nahme, u.a.) in das zentrale Nervensystem ausgeschüttet. Auch Nahrungsmittel sind Stimmungsmacher. Vor allem Serotonin bezeichnet man als ernährungsbedingten Glücksbringer. Für eine ausreichende Serotoninbildung benötigt der Körper recht viel vom Vorläuferstoff Tryptophan. Ein erhöhter Insulingehalt begünstigt eine verstärkte Aufnahme von Tryptophan und trägt somit wiederum zu erhöhten Bildung von Serotonin bei. Den Hormonen und Botenstoffen kommt bei der Entstehung von Glücksmomenten zweifellos eine große Bedeutung zu, aber -gleichgültig, ob man die Endorphine als die eigentlichen Glückauslöser ansieht, oder das Dopamin in das Zentrum der Glückserweckung rückt, oder aber das Serotonin als die entscheidende Ursache aller Freude und allen Glücks ansieht,- letztendlich sind sie alle nur Teile eines vielfältigen und nicht leicht zu durchschauenden Wirkungsgefüges im Körper, speziell im Gehirn. Neben ernsthaften Gedanken zum Begriff Glück lässt sich noch einiges anfügen, jedoch auf einer gewissermaßen mehr "volkstümlichen" Ebene. Begriffe, die das Wort Glück enthalten, gibt es in großer Zahl. Beispielhaft will ich hier nur kurz folgende erwähnen: Glücksfall, Glückspilz, Glücksspiel, Glücksgöttin, Glücksstern, Glücksmomente, Glückssträhne, Glückskind, Glückstreffer, Glückseligkeit. Darüber hinaus verwenden wir häufig Redewendungen oder Formulierungen, die im Kern das Wort Glück betreffen. Beispielhaft: Er hat mehr Glück als Verstand; ich habe Glück gehabt; ich habe kein Glück gehabt; Glück im Spiel, Pech in der Liebe; jeder ist seines Glückes Schmied u.a. Eltern geben ihren Kindern Namen wie "Felicitas" (die Glückselige) oder "Felix" (der Glückliche), vielleicht in der trügerischen Hoffnung, ihren Kindern so einen steten Zugang zum Glück zu verschaffen. Wir begegnen häufig Glückssymbolen (Glücksschweinchen, vierblättriges Kleeblatt, Marienkäfer, Schornsteinfeger, Hufeisen u.a.) und verwenden diese auch selbst in Form von Geschenken, zur Ausschmückung der Wohnung u.a. Diverse Bücher geben Ratschläge, wie man am besten das Glück beim Schopfe packt. Etliche Filme zeigen Wege auf, wie man schnell glücklich werden kann. Erwähnen möchte ich noch, dass das Glück auch für einen bösen Menschen aus einer verwerflichen Tat (Einbruch, Diebstahl, Raub, usw.) erwachsen kann, solange die Tat unentdeckt bleibt. In Anlehnung an das Motto: Die Sonne scheint auf Gerechte und Ungerechte, lässt sich hier formulieren: Das Glück erreicht einen jeden Menschen, sei er gut oder schlecht. Zusammenfassend ist festzustellen, dass wir uns -bewusst oder unbewusst- recht häufig mit dem "Glück" befassen und auch so manches Mal hoffen, es möge bei einem selbst Halt machen und verweilen. |